Kolumne: Wer Bin ich?

 

Wer bin ich?

Schon seit Ewigkeiten führe ich diesen Konflikt mit mir selbst. Wer bin ich? Wer will ich sein? Bin das überhaupt ich? Oder versuche ich jemand zu sein, der ich gar nicht bin? Ich frage mich oft, ob ich alleine bin mit diesem bipolaren Problem. Bipolar ist vielleicht ein wenig dramatisch ausgedrückt. Aber ja, ich kann sagen, dass sich verschiedene Charaktere, verschiedene Persönlichkeiten in mir verbergen. Ich denke jeder Mensch hat damit zu kämpfen – der Eine mehr, der Andere weniger.
Da ist dieser Junge in mir, der schon immer einfach normal sein wollte. Obwohl ich das Wort „normal“ verabscheue, mag ich es dennoch verwenden weil es das verstörende dieses Themas am besten beschreibt. Dieser Junge in mir wollte schon immer normal sein, ganz gewöhnlich, wie jeder andere. „The Boy Next Door“ (sagt man das auch über Boys?), am besten einfach gar nicht auffallen, nicht anders aussehen oder -sein. 
Auf der anderen Seite, bin das aber gar nicht ich. Oder doch?
Ein kleiner Teil in mir ist es irgendwie schon.
Und dieser Teil hat sich vor einigen Tagen beschlossen die Macht über mich zu ergreifen und hat mir buchstäblich den Kopf rasiert! Ich, der stets von sich behauptet „Meine Haare sind mein Kapital!“ stand also da im Badezimmer mit der Haarschneidemaschine in der Hand, quasi teilnahmslos.
Vor einigen Wochen sagte ich noch: Ich lasse meine Haare wachsen. Ich möchte aussehen wie ein Rockstar! 99% rieten mir davon ab. Aber das hielt mich nicht davon ab einen Mittelscheitel zu tragen, den gefühlt nur ich allein gefeiert habe. Aber darum geht es doch: Sich selbst zu feiern! Wenn du zufrieden bist, ist alles andere egal!
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Am Montag den, 21.März verabschiedete ich mich kurzzeitig von diesem Gedanken und meiner Selbstsicherheit und begrüßte den normalen Jungen in mir. Ich fühlte mich ähnlich wie Britney Spears die sich 2007 eine Glatze rasierte. Zumindest glaube ich so oder so ähnlich gefühlt zu haben. In meiner Gemütsbewegung beschloss dieser Junge in mir also einen Veränderung vornehmen zu wollen. Ich wollte es erst Umstyling nennen, aber das trifft es nicht ganz, denn dann hätte ICH wieder mitreden dürfen. Aber ich hatte nichts zu sagen.
Er griff also an die Haarschneidemaschine und begann meine Frisur zu verändern. Hier noch ein wenig, da noch ein bisschen. Mit jedem Fall eines Haares, fiel ebenso ein Stück von mir, und Er war es der nach und nach in den Vorschein trat. Er sieht gut aus, das muss man ihm lassen. Aber das bin nicht ich. Ich kann nur immer wieder meine Rede von Imperfektion halten. Das Wort „Imperfektion“ existiert so nicht im deutschen, jedoch finde ich es so am aussagkräftigsten. Ich bin gelangweilt von Perfektion, gelangweilt von Schönheit. Ich liebe Menschen die anders aussehen, vielleicht nicht so schön wie andere aber so viel interessanter. Natürlich war ich mir bewusst, dass ein Mittelscheitel nicht das Schönste in mir hervorhebt, aber darum geht es mir eben. Ich will nicht schön sein! (haha Gedankengang: „Der Spiegel“ von Tic Tac Toe: Denn ich will nicht mehr hübsch sein nein, ich weiß ihr alle müsst jetzt denken die muss verrückt sein!)
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Ich habe meinen Mittelscheitel geliebt. Allein. Er hat mir Kraft gegeben. Okay, jetzt übertreibe ich, aber ich habe es einfach gefühlt. Kennt ihr es, wenn ihr einen Look fühlt? So ging es mir mit meinem Mittelscheitel, einer Vintage Levi’s 501 & einem Old School Adidas Pullover. Die 90er inspirieren mich sowohl in der Kleidung, Musik und eben auch Haarschnitten.
Mein Mittelscheitel fiel, und so tat es ein großer Teil meiner Persönlichkeit.  
Auf Snapchat haben vielleicht einige von euch schon meinen melancholischen Abend mit „Everytime“ von Britney Spears verfolgen können. Und stellt euch vor was ich gerade höre? Natürlich: Everytime. Repeat!
Erst am nächsten Tag kam ich wieder zu mir und realisierte was passierte. Dass ich nicht mehr ich bin. Ich kann mich nicht an meinen „normalen“ Look gewöhnen. Es sieht gut aus. Ich habe lange nicht mehr so viele Komplimente bekommen, aber ich fühle es nicht. Und jeder kreative Mensch weiß wovon ich rede, wenn ich sage: Ich fühle es nicht!

Und weiterhin stehe ich vor dem Konflikt: Will ich einfach normal aussehen (und damit auch vielleicht schöner)? Oder kann ich einfach ich sein? Doch dann weiter zur nächsten Frage: Wer bin ich?
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3 Comments

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  1. Hey mein Liebster Vin. Du hattest doch immer gesagt, dass du nicht so gerne Texte schreibst, ich denke aber gerade, dass du das öfter machen könntest und solltest ! *.*
    Ich habe direkt mitfühlen können ! #respect #iloveit !
    Mein Feedback dazu ist: egal wer du sein möchtest, keiner soll es dir einreden oder ein Mitspracherecht haben. Ich mag dich so wie du bist.. Ich habe dich “unnormal” (nach deinem Ausdruck) kennengelernt und ich habe es geliebt. Wenn du dich aber entscheidest doch “normal” zu sein, ich weiß zwar nicht wie das Bild dazu aussehen wird, trotzdem werde ich da sein für dich 🙂

    Generell mein Statement dazu ist: unnormal ist cool, unnormal macht anderen Angst, Unperfektion finde ich interessant.

    LOVE

    Sena

  2. Denn: Life isn’t about finding yourself.
    Life is about CREATING yourself.

  3. Sehr toll geschrieben und ich finde das Wort bipolar zu benutzen als Vergleich oder sonstwas auch sehr gut getroffen ! Du bist toll wie du bist egal mit welcher haarfrisur ! Ich kann ganz nach fühlen wie du dich Gefühl haben musst das habe ich auch schon durchgemacht mit einer Veränderung damit ich anderen passe usw toll geschrieben vin😘😘

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