Interview mit GALA Fashiondirector Marcus Luft

Berlin, 10:45 Uhr.
„Luckenwalderstr. 3, bitte!“ hechelte ich während ich mir den Gurt im Taxi schnallte. Sichtlich genervt stöhnte der Fahrer „wieder zu irgendnem Modescheiß?“
„Ja, genau!“, einen guten Start in den Tag würde man das wahrscheinlich nicht
nennen, aber eine wichtige Verabredung wartete auf mich und für schlechte Laune war keine Zeit!
Die #Fashiontech war mein Ziel, eine Messe, die wie der Name schon sagt Mode & Technologie verbindet. Dies war mein Treffpunkt mit Marcus Luft, dem stellvertretendem Chefredakteur von GALA.
Doch gleich bei meiner Ankunft erhielt ich eine Email, die mir prompt zeigte, wie es im Modebusiness zugehen kann. „Ich musste leider schon los.“
Also stand ich da, zwischen Wearables und LED-Kleidern, ohne Interview.
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Berlin 18:30 Uhr.
Für die Herbst/Winter 2017 Schauen ist das ehemalige Kaufhaus Jandorf Treffpunkt der Berliner Modewoche. Eine wie ich hörte einsturzgefährdete, nicht ganz so glamouröse Location, die zugegeben Charme bewies und gerade zu Berlin passt wie Macarons zu Paris.
Nach der Show von Laurèl traf ich schließlich Gala Fashion Director Marcus Luft zum Interview. Ja, sagen wir ich war ein wenig hartnäckig…
Mitten im Fashionweek Trubel auf einer Holzbank, nahm der Moderedakteur in lässigen Vans und einem schwarz, mit goldenen Applikationen besetztem Blouson vom Hause Saint Laurent, neben mir Platz.
 
Oh, wow! Schöne Jacke haben Sie an. Machen Sie sich viele Gedanken bei der Outfitwahl?
Also, zur Fashionweek schon mehr als wenn ich zur Arbeit gehe.
Für mich muss es immer eine Mischung von bequem und stylish sein.
Ich glaube, dass Mode zur Zeit nur dann wirklich Sinn macht wenn es etwas lustiges oder ausgefallenes hat. Also, ich halte gar nichts mehr davon wenn man sagt, man muss sich minimalistisch oder basic anziehen, weil das kann jeder!
»minimalistisch oder basic
anziehen, das kann jeder!
«
 
Im Modebusiness wird nicht zwangsläufig gesiezt. Selbst wenn man sich nicht kennt, wird oft einfach geduzt. Wie finden Sie das?
Es ist schon eine Gefahr. Da durch das Du alles so persönlich wird, ist es oft schwierig, die ganze Sache objektiv zu sehen. „Wir können feiern zusammen, aber an der Kollektion müsstest Du noch etwas arbeiten“ –  so etwas fällt dann schon schwerer.
 
Man wird ja etwas unterschätzt wenn man in der Modebranche arbeitet. Haben Sie da schon schlechte Erfahrungen gemacht?
Schlechte Erfahrungen jetzt nicht, aber das stimmt schon. Mich regt aber eher auf, dass jeder glaubt eine Meinung zur Mode zu haben. Ich habe keine Ahnung von Theater und dann sag ich zu dem Thema auch nichts. Aber bei Mode weiß jeder etwas dazu zu sagen und das finde ich immer ganz schlimm.
»Bei Mode weiß jeder etwas
dazu zu sagen und das finde ich ganz schlimm.
«
 
Seit 2 Jahren Sind Sie jetzt stellvertrender Chefredakteur bei GALA und sind zuständig für Gala Style & Gala Men.  Worin unterscheidet sich GALA Style von GALA?
Gala Style ist unser Auftakt zur Saison. Sie kommt nur 2 mal im Jahr und gibt unseren Lesern einen Trendguide um zu zeigen: Das sind jetzt die Teile die man braucht! Wir machen auch so Highlight Ausgaben, die nächste Ausgabe im März dreht sich zum Beispiel komplett um Blogger & Influencer. Gala ist wöchentlich, da ist der Fokus nicht 100% auf Mode & Beauty, bei Gala Style komplett.
 
Stichwort Blogger & Influencer. Inwiefern haben sie die Modewelt verändert? 
Ja komplett! Alleine schon, dass Blogger so etwas junges, frisches reingebracht haben und die etablierte Modebranche somit ein bisschen aufgebrochen haben. Das rockt jetzt noch mal ganz anders finde ich. Ich glaube es haben sich noch nie so viele Leute für Mode interessiert, wie zur Zeit und das durch Euch.
 
Aber ist es durch das große Interesse nicht auch ein Problem, wenn sich neben den echten Modeleuten so mancher aufgrund von Gucci Loafers zum Modeexperten deklariert?
Das sehe ich entspannt und denke da trennt sich relativ schnell die Spreu vom Weizen. Das ist genau so wie bei Stylisten, es gibt ganz viele und die guten setzen sich durch und die anderen jobben bei Esprit, das ist halt so.
»Die Guten setzen sich
durch und die Anderen jobben bei Esprit, das ist halt so.
«
 
Arbeiten Sie denn auch mit Bloggern zusammen?
Online ja, aber eher so in Kooperationen, dass die mal für uns schreiben oder zu Terminen für uns gehen und halt jetzt die große Influencer Issue bei Gala Style. Für Gala selbst jedoch, sind die Blogger nicht so das große Thema.
 
Influencer ersetzen heutzutage oft Models auf Modemagazinen. Käme das für Gala jemals in Frage?
Also eine Caro Daur ist schon ein Star mittlerweile. Und das kann schon sein, dass es sich in die Richtung entwickelt. Vielleicht werden Influencer so etwas wie die neuen Supermodels wie in den 90ern.
»Vielleicht werden
Influencer so etwas wie die neuen Supermodels wie in den 90ern.
«
 
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Marcus Luft in einem Hoodie von GUCCI

Was haben Sie vor Gala gemacht?

Vor Gala war ich Modechef bei MAX, das Heft gibt es
nicht mehr. Davor war ich Reiseredakteur bei Amica und davor habe ich
Philosophie studiert.
 
Und wie sind Sie in die Modeschiene gerutscht?
Durch Christiane Arp (Chefredakteurin, VOGUE Deutschland), die damals Modechefin bei Amica war. Sie sagte, dass ich mich ruhig auf Mode fokussieren soll, weil es wenig Modejournalisten gibt und dass das Zukunft hat. Dann hab ich für Christiane mal Texte geschrieben für die Welt am Sonntag, so kam das.
 
Worin unterscheidet sich ein Creative Director von einem Fashion Director?
Also ein Fashion Director kümmert sich um den Mode Teil bei Zeitschriften. Und der Creative Director bei Magazinen ist eher so etwas wie ein Art Director. Der kümmert sich mehr um die Optik und die Layouts, nimmt auch Einfluss auf den Stil der Modeproduktion. Aber ein Fashion Director gibt eben vor: Das sind die Trends, die müssen wir vorstellen, mit dem Photographen, mit dem Stylisten usw.
 
Und wie informieren Sie sich über die neusten Trends?

Durch die Schauen! Am Samstag geht es nach Paris zur Couture, die Prêt-à-Porter Schauen besuche ich natürlich auch. Dann gibt es viele Pressetermine, aber auch im Netz.

 
Lesen Sie auch Blogs?
Naja, ich schau mir auf Instagram an was die Influencer so treiben. Blogs dann
eher von Zeitungen, wie von NY Times Magazin, eher solche Sachen. Ich check
aber nicht jeden Tag was Dandy Diary schreibt oder so.
 
Was ist Ihre Lieblings Mode Stadt?
Ich bin totaler Kopenhagen Fan, dort haben die Leute einfach einen super Style. Paris ist auch toll, nicht so das klassische Paris aber diese ganzen Vetements Gänge, Balenciaga, Off-White… das zeigt ja das gerade so viel passiert! Ich finde Mode war noch nie so spannend wie zur Zeit!
»Ich finde Mode war noch
nie so spannend wie zur Zeit!
«
 
Muss man stylish sein um für ein Modemagazin zu arbeiten?
Ja, finde ich schon. Man muss es ja lieben! Du kannst nicht  „egal“ aussehen und willst dann Moderedakteur sein. Wenn man das so sieht wie ein 9-5 Job, passt das nicht und wenn man dafür brennt, dann interessiert man sich dafür und dann legt man auch Wert auf Klamotten.
»Du kannst nicht „egal“ aussehen und willst dann Moderedakteur sein.«
 
Was würden Sie den jungen Leuten raten, die in die Modebranche einsteigen wollen?
Das man das total ernst nehmen soll! Wenn man Schreiber werden möchte, sollte man Modejournalismus studieren, Praktika machen. Einer meiner Redakteure hat als Praktikant angefangen. Man muss es wollen, aber man darf sich auch nicht so den Spaß nehmen lassen.
 
Wenn Sie noch einmal 16 wären in der heutigen Zeit, mit dem Einfluss von Internet & Social Media. Würden Sie etwas anders machen?
Ich würde glaube ich Blogger werden. (lacht)
Also damals wäre ich schon froh gewesen wenn man solche Role Models gehabt hätte, dass man checkt, man ist ja nicht der einzige Idiot der sich total modisch anzieht. Das ist ja total cool!

Vielen Dank für das Interview!
GALA.DE 
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